Die
mechanischen Schallwandler von Edison und Berliner kamen noch ohne
elektrischen Strom aus; als Begründer der modernen Lautsprecher
gilt daher der an der Universität Birmingham lehrende Physikprofessor
Sir Oliver Lodge, der im Jahre 1898, also vor mehr als 100 Jahren,
die Gesetze des Elektromagnetismus anwandte, um eine Versuchsanordnung
aufzubauen, die durch elektrischen Strom hervorgerufene Laute erzeugt.
Für die im heutigen Sinne naturgetreue Wiedergabe von Klängen
taugte der primitive elektromagnetische Lautsprecher mit feststehender
Spule und beweglichem Eisenkern natürlich noch nicht, aber
immerhin war ein Anfang gemacht. 27 Jahre sollte es noch dauern,
bis die erste Funkausstellung in Berlin im Jahre 1925 mit dem Blatthaller
den ersten elektrodynamischen Lautsprecher präsentierte, eine
abenteuerliche Konstruktion von gut einem Meter Länge, die
ein feststehendes Magnetsystem und einen beweglichen stromdurchflossenen
Leiter besaß. Im gleichen Jahr hatten Edward Kellog und Chester
Rice von der amerikanischen Firma Western Electric den elektrodynamischen
Lautsprecher entwickelt, wie er im Prinzip heute noch in weit über
90 Prozent aller Lautsprecherboxen eingebaut wird. Er besitzt eine
bewegliche Schwingspule, die mit einer Konusmembran verbunden ist
und sich im Takt des durch sie hindurchfließenden Stroms von
dem sie umgebenden Magnetfeld gewissermaßen abstößt.
Größtes Problem war in dieser Zeit der äußerst
geringe Lautsprecher-Wirkungsgrad, der riesige Hörner zur Schallverstärkung
erforderlich machte. Bei der Kinobeschallung, für die diese
Hornlautsprecher eingesetzt wurden, waren die enormen Abmessungen
aber kein Problem.
Eine
andere technische Klippe galt es erst noch zu umschiffen: Dauermagnete
mit ausreichender Kraft gab es zu Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts
noch nicht, und deshalb erzeugten damals Elektromagnete das erforderliche
Magnetfeld. Der Brite P.G.A.H. Voigt zählt zu den Pionieren
der Lautsprecher mit Permanentmagnet; nachdem er mit seiner 1927
gegründeten Firma Lowther Voigt Ltd. zunächst Schallwandler
mit ,,Energized Magnet" hergestellt hatte, präsentierte er
im Jahr 1936 den ersten Prototypen eines Lautsprechers mit ,,Permanent
Magnet". Aber erst die Militärforschung des zweiten Weltkriegs
erbrachte leistungsfähige Magnetmaterialien aus Legierungen
von Seltenerd-Metallen, die ab 1945 die Lautsprecher mit
Feldspule auf breiter Front verdrängten.
Die
Ära des modernen Lautsprechers beginnt mit den Arbeiten des
Australiers Neville Thiele und des Amerikaners Richard Small, die
ab 1951 die Wechselwirkungen zwischen dem Lautsprecher und seinem
Gehäuse auf eine theoretisch fundierte Grundlage stellten und
die Voraussetzungen dafür erarbeiteten, daß relativ kleine
Lautsprecherboxen heute erstaunlich tiefe Frequenzen abstrahlen
können. So verwundert es nicht, daß die Mehrzahl der
heute aktiven Lautsprecherhrsteller sich erst in den sechziger und
frühen siebziger Jahren gründeten.
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